Kommentar
Radler „rüpeln“ auch weiterhin in Überlingen. Stadt sieht keinen Handlungsbedarf.
Zu unserem Artikel "Überlingen. Das Wild-West für Radler und Scooter" stellten wir eine Presseanfrage an die Stadtverwaltung Überlingen. wir wollten wissen, wie die Stadt die Lage einschätzt, und wie sie für Abhilfe sorgt. Die doch einigermaßen erstaunliche Antwort wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.
In unserem Artikel: „Überlingen. Das Wild-West für Radler und Scooter“ haben wir am 31. Juli 2026 eine Bestandsaufnahme der „Rüpel auf Rädern“ im Stadtgebiet der Kurstadt am Bodensee gewagt. Radfahrer und E-Scooter auf Gehwegen, auf der Uferpromenade, im Stadtgarten, oder in der Fußgängerzone „Münsterstraße“ werden zur Gefahr für Fußgänger, stellten wir fest. Ferner haben wir der Stadtverwaltung attestiert, das mangelnde Beschilderung und fehlende Kontrollen maßgeblich für die unhaltbaren Zustände verantwortlich sind.
In einer Presseanfrage an die Stadt wollten wir wissen, was die Verantwortlichen unternehmen um gegen den Ansturm der Radler praktisch auf allen Wegen Überlingens Abhilfe zu schaffen. Eine kurze Zusammenfassung der Antwort würde heißen: Gar nichts.
Man könnte daraus durchaus folgern, im Rathaus und den untergeordneten Behörden ist man der Meinung alles richtig zu machen, und verweist in der Antwort zuerst auf die zahlreichen Abstellmöglichkeiten für die Räder, die neu geschaffen wurden. Das ist zwar schön, war aber nicht Teil unserer Anfrage. Das Radnetz in Überlingen sei klar gekennzeichnet und führe weder über die Promenade, noch in Fußgängerbereiche, schreibt die Stadt. Wohl wahr. Die übergroße Belastung durch die Radfahrer in genau diesen Bereichen wirft doch aber die Frage einer nochmaligen Überprüfung, und folgerichtig eines Überdenkens dieser Beschilderung auf. Das sieht man im Rathaus so nicht.
Die Stadtverwaltung räumt in ihrer Antwort auf unsere Presseanfrage aber immerhin ein: „Leider wird sie (Beschilderung) aber von einem Teil der Radfahrenden nicht beachtet“. Ist man hier bei der Wortwahl „gegendert“ „Radfahrende“ auf dem neuesten Stand, so lassen die teilweise uralten Hinweisschilder also auch weiterhin zu wünschen übrig. Die große Zunahme der Radfahrerinnen und Radfahrer müsste sich doch auch in größeren Hinweisschildern ausdrücken. Zumal viele dieser „Radfahrenden“ während der Fahrt auf das Handy schauen, sprich oft nach unten glotzen.
Offensichtlich besitzt der größte Teil derer, die mit Familie, Fahrradanhänger und Sack und Pack über die „Gondelebrücke“ an der Uferpromenade radelt, auf dem Rennrad durch die Münsterstraße rast, oder im Stadtgarten mit dem Mountainbike auf dem Trail ist gar keinen Führerschein- oder vergisst ihn schlicht für die Freiheit zu „Rüpeln“ ohne Nummernschild. Für Sprachanfänger oft auf E-Scootern anzutreffen könnte „Radfahren verboten“ durch eine Bebilderung ersetzt werden. Dies in mindestens drei Sprachen auf die Schilder zu bringen ist nicht zielführend, da Überlingen in Punkto „Schilderwald“ sowieso ein absolutes Dickicht ist. Die Stadtverwaltung ist aber der Ansicht, dass die Schilder „Fußgängerzone“ oder „Gehweg“ ein deutliches Signal an die „Radfahrenden“ sei. Sollte dies so sein, wird dieses deutliche Zeichen allzu oft missachtet. Erst in dieser Woche rauschten wieder rund 40 Radler einer Jugendfreizeit ungehindert und ungebremst über die Münsterstraße bis hin zum Brunnen auf der Hofstatt.
Hierzu sagt die Stadt abschließend, das die Erfahrung zeige, dass sich Personen die die bisherige Beschilderung missachten würden auch nicht von größeren „Piktogrammen“ (unsere Idee waren große Fahrräder rot durchgestrichen und auf dem Straßenbelag angebracht) von ihrem regelwidrigen Verhalten abhalten ließen. In dieser Beurteilung, und in unserer Kenntnis des dreisten Tun- und Treiben dieser „Rüpel auf Rädern“, geben wir der Stadtverwaltung allerdings teilweise recht. Dieses Verhalten würde sich, so in der Antwort der Pressestelle, auch in den Reaktionen auf freundliche Hinweise in Richtung „Radler“ zeigen.
Auch dies können wir aus eigener Erfahrung bestätigen, justiziabel was einem da sehr oft als Antwort entgegnet wird- und absteigen tun die betroffenen Falschfahrer eigentlich auch so gut wie nie.
Womit wir bei den Kontrollen wären, die ein emsiger Spaziergänger auf seinem täglichen Spaziergang durch die Stadt in diesem Sommer noch nie gesichtet hat: Überlingen antwortet: „Diese Einschätzung trifft nicht zu. Der Gemeindevollzugsdienst führt regelmäßig Kontrollen durch. Um Radfahrende sicher anhalten und kontrollieren zu können, müssen diese jedoch grundsätzlich mit zwei Mitarbeitenden erfolgen. Aufgrund der begrenzten personellen Kapazitäten sind solche Kontrollen daher nur in unregelmäßigen Abständen möglich. Darüber hinaus führt auch die Landespolizei im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten regelmäßig Kontrollen durch.“ Dies ist der vollständige Wortlaut der Stadtverwaltung Überlingen zu diesem Thema.
Vielleicht können die 2,4 Millionen Euro für Bußgelder gegen Radler, die Berlin in diesem Jahr bereits eingenommen hat, auch Überlingen zu häufigeren Kontrollen motivieren?
Fazit: Überlingen tut nichts. Die Radler rasen ungebremst weiter durch den Stadtgarten. Bald kommt der Herbst und dann wird es wieder ruhiger. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt. Traurig ist die Vorahnung, das erst ein schwerer Unfall passieren müsste, um zum Umdenken zu führen.
Nicht umsonst hat jetzt Paris bei E-Scootern die Notbremse gezogen. Auch hierzuland steigen die schweren Unfälle mit E-Bikern und E-Scootern bedenklich an.
Hier der Link zum am 31. Juli 2026 erschienenen Artikel:
https://stattzeitung.net/artikel/ueberlingen-das-wild-west-fuer-radler-und-scooter
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