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Die neue Bushaltestelle in Überlingen. Der Hammer des Jahres!

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Die neue Bushaltestelle in Überlingen. Der Hammer des Jahres!
Das neue Bushäuschen in Überlingen. Ein Ärgernis. Bild: sz-team

Für die einen ist sie eine harmonische Ergänzung für den zentralen Landungsplatz. Für die anderen versprüht sie den Chic eines Relikts der DDR-Nostalgie, etwa den einer Konzertmuschel aus den 1960er Jahren auf Usedom. Für wiederum andere ist sie schlicht und ergreifend hässlich. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Eines ist jedoch glasklar: Überlingens neue Bushaltestelle ist eines nicht: zweckdienlich.

Das musste wohl als erster der „Mann mit dem Fahrrad“ zu spüren bekommen, der lange schon zum Stadtbild gehört. Er ist an seinem angestammten Platz nicht mehr anzutreffen. Dieser Mann ist nicht nur ein sogenannter „Penner“, er ist eine Institution, mit dem viele das Gespräch suchen. Ohne Rückwand bietet das filigrane Gebilde auch ihm keinen Schutz vor Wind und Regen, und genau das sollte doch der Sinn dieser Überdachung sein. Oder etwa nicht? Fast einstimmig, man munkelt bis auf einen in der blauen Partei, stimmte der Gemeinderat dieser neuen Bushaltestelle zu. Den überwiegend gut mobilisierten Räten sei anzuempfehlen, einmal eine Busfahrt zu unternehmen und sich davor bei „Schmuddelwetter“ unter das schmale Dach zu stellen. Eine Betrachtung aus der Ferne genügt hier nicht. Machen sie also den Lackmustest, liebe Stadträte, lassen sie sich vollregnen und vom Winde verwehen. Für annähernd drei Euro sollte den Fahrgästen einer Stadtfahrt mit dem Bus schon ein gewisser Komfort, auch beim oft langen Warten auf denselben, gesichert sein.

Lange mussten die Überlinger auf die neue Bushaltestelle an der Schiffsanlegestelle warten. Zu lange! In der gleichen Zeit in der die Chinesen eine Fabrik auf die Beine stellen, schaffen wir in Deutschland gerade mal ein Blechdach. Beredtes Zeugnis für die Tatsache, dass nichts läuft hier im Land. Das gilt auch für die Touristenstadt am Bodensee. Denn gerade die Touristen standen an Ostern und während der gesamten Saison vor einer Baustelle. Die Behelfshaltestelle am Eingang der verkehrsberuhigten Zone vor dem Marktplatz nervte Anlieger, Gewerbetreibende und die auf der Straße stehenden Fahrgäste. Ein Wunder, dass an dieser Gefahrenstelle, an der sich Auto- und Radfahrer, Fußgänger und eben die Busse treffen, nichts passiert ist. Einmal ganz abgesehen vom optischen Schandfleck einer Baustelle, die den Blick auf den See trübte. Da hat sich Überlingen mal wieder richtig blamiert.

Werfen wir zu guter Letzt einen Blick auf die Kosten für das „Bushäuschen“. Sagenhafte 300.000 Euro und weitere rund 100.000 Euro für eine spätere Begrünung(!) lässt sich der Stadtsäckel eine Bushaltestelle kosten, die ihre elementarste Funktion verfehlt: Wind- und Wetterschutz. Das schlägt dem Fass den Boden aus und wäre Stoff für den „Hammer der Woche“ des Länderspiegels im ZDF. Kontakt: hammer@zdf.de und vielleicht fühlt sich ein Überlinger oder eine Überlingerin bemüßigt, die neue Bus-Haltestelle vorzuschlagen.
Zugegeben. Verdient hätte sie es!

Das „Ding“ muss schleunigst nachgerüstet werden und zwar mit Plexiglasrückwänden. Vielleicht schafft es die Stadt dieses Mal, damit ihre Busfahrgäste im kommenden Winter und nicht erst im Winter 2030 zu schützen. Ich höre schon die Widerworte und Erklärungen, wie zum Beispiel eine Rückwand sei eine Vandalismus-Fläche für Schmierereien. Das ist durchaus möglich, aber kann kein Verhinderungsgrund sein. Kameras installieren könnte helfen ‒ aber bitte nicht für zusätzliche 30.000 Euro.

Dieses „Bushäuschen“ und die lange Zeit des Wartens darauf sind trefflich Stoff für das nächste Narrenkonzert oder den Frauenkaffee. Da wird es Lacher geben. Bis dahin bleibt der Ärger des steuerzahlenden Bürgers für so viel Inkompetenz und Geldverschwendung. Allemal ist das in Überlingen wohl der Hammer des Jahres!

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